© by Fabrizius

Liebe Freunde, wenn Sie Texte aus meinem Blog verwenden,
bitte geben Sie den Autor an, sonst ist es geistiger Diebstahl.

Montag, 26. Juni 2017

Die vegetarische Krise

»Ich kann das Zeug nicht mehr sehen!«, schrie Konstanze und pfefferte das Tofuwürstl in den Abfalleimer.

Eine mit Mangojus angemachte Grillade schleuderte sie in den Holunderbusch gleich neben dem Gartenzaun und das Bärlauchpesto hinterher.
»So, jetzt ist mir wohler!«

Prompt ging sie ins Haus und holte aus dem Kühlschrank drei fertig eingelegte Wammerscheiben und eine Flasche Bier.

Helmbrecht, ihr Lebensabschnittspartner saß kreidebleich vor seiner gegrillten Zucchini mit Mais und Süßkartoffeln und verstand die Welt nicht mehr.

»Du willst das doch nicht essen?«
»Und ob ich das essen will!«, erwiderte Konstanze und legte die Wammerl auf den Grill.
»Und dazu habe ich mir ein Weißbier mitgebracht!«

Jetzt schnappte sie die Flasche mit linksdrehendem bei Vollmond abgefülltem Wasser und goss es über den Rhododendronbusch.
Helmbrecht nahm reflexartig seinen Rhabarbersaft und brachte ihn auf die andere Tischseite in Sicherheit.

»Konstanze!«
Mehr brachte er nicht über die Lippen.
Konstanze war in Fahrt!
»Komme mir nicht in die Quere!«, knurrte sie ihn an.


Helmbrecht saß wie angewurzelt am Tisch. Immer noch kaute er auf einer Zucchini herum und schob einen Süßkartoffelwürfel nach. Dabei nippte er an seinem Rhabarbersaft.

»Konstanze!«
»Ich fresse diese Pampe nicht mehr!«
Sagte es und nahm die erste Wammerlscheibe vom Grill, goss sich das Weizen ins Glas und nahm einen kräftigen Schluck.

Nach dem zweiten Wammerl und einem gehörigen Schluck war ein befreiender Rülpser zu vernehmen.

»Konstanze!«
Helmbrecht standen Tränen in den Augen.

»Ich habe nie verstanden, wie ein gestandener Metzgermeister auf die hirnrissige Idee kommt vegetarisch zu leben!«

Freitag, 23. Juni 2017

Entsorgen

In meiner Jugend war uns dieses Wort nicht geläufig.

Wir entsorgten unsere Teebeutel nicht, die schmissen wir weg. Wobei Teebeutel damals nicht häufig anzutreffen waren.  Die waren noch nicht in Mode. Der Tee wurde aus einer Dose genommen und aufgegossen, da war nix mit Teebeutel.

Es gab damals nicht allzu viel zum Wegschmeißen, sorry, Entsorgen! Einmalartikel gab es nicht.

Papierverpackungen wurden im Herdfeuer verbrannt, wenn sie nicht für was anderes hergenommen wurden. Wo finden sie heute noch einen Haushalt mit Herdfeuer? Da können sie lange suchen.

Plastik war noch nicht erfunden. Fettige Speisen wurden im Glas oder einer irdenen Schüssel aufbewahrt.
Für Zucker, Mehl, Grieß und was weiß ich noch alles gab es Blechdosen.

Alufolie und Frischhaltefolie gab es nicht. Als Deckel diente zumeist ein Teller oder gerade für größere Gefäße ein Holzdeckel.
Bei uns stand ein riesiges Krautfass im Keller, das war mit einem Holzdeckel verschlossen, darauf lag ein Stein.

Leicht verderbliche Nahrungsmittel wurden im Sommer auf der Kellertreppe gelagert, da war es im Haus am kühlsten. Im Winter in einem kühlen Zimmer, es waren ja nicht alle Räume geheizt oder gleich draußen auf dem Fensterbrett.

Das Pausenbrot wurde in Butterbrotpapier eingewickelt. Nach dem Verzehr wurde das Papier nicht weggeschmissen, sondern zusammengefaltet im Schulranzen deponiert. Es wurde am nächsten und auch am übernächsten Tag noch mal hergenommen.

Zum Einkaufen benutzten wir eine Tasche oder ein Einkaufsnetz. Im Kramerladen wurde abgewogen und in Papiertüten gefüllt.
Die Milch holten wir mit einer Milchkanne. Der Tetrapack war noch nicht erfunden, wieder nix mit Entsorgen.

Mein Großvater klopfte gebrauchte Nägel wieder gerade, so konnten sie noch mal hergenommen werden. Verpackungsschnur wurde aufgehoben, ebenso das Packpapier. Das eignete sich gut als Einband für die Schulbücher.

Strümpfe mit Loch wurden gestopft, nicht weggeschmissen und Schuhe bei durchgelaufener Sohle vom Schuster neu besohlt. Im Sommer liefen wir Kinder sowieso barfuß, das war am schonenden für die Schuhe.

Aus alten Klamotten wurde neues geschneidert. Die alte Joppe vom Vater gab einen prima Wintermantel für den Filius. Aus Mutters Rock konnte sicher was Zweckmäßiges für die Kleine genäht werden. Kinderkleidung wurde solange geflickt, bis es nicht mehr ging. War das große Geschwister herausgewachsen, zog sie das jüngere an.

Was man heute »Recyceln« nennt, wurde zuhause erledigt. Das hieß dann wiederverwerten.

Selbst Zeitungspapier wurde im Haushalt weiter verwendet. Ob es die nassen Schuhe waren, die damit ausgestopft wurden, oder zurechtgeschnitten auf einem bestimmten Örtchen parat lag.
Im Winter wurde gegen die Kälte mehrfach gefaltetes Zeitungspapier in die Gummistiefel eingelegt.
Zuguterletzt diente das Papier zum Feueranmachen.

Vielleicht heben wir Männer deshalb alles Mögliche auf, man könnte es ja noch mal gebrauchen. Schließlich steckt in uns Männern irgendwo schon noch ein Kind!

Donnerstag, 8. Juni 2017

Pizza alla Nessie

Jetzt kommt bald wieder das Sommerloch. Da ist nicht nur im Blätterwald tote Hose und die Redaktionen suchen händeringend nach einigermaßen spannenden Themen, um ihre Leser bei der Stange zu halten.
In all den vergangenen Jahren musste Nessie, das Seeungeheuer aus dem schottischen Hochland, herhalten.
Es war so sicher, wie das Amen in der Kirche. Spätestens zum Ferienbeginn kam eine Reportage von Loch Ness! Irgend ein Fachmann in Sachen Seeungeheuer, vielleicht mit dem Zusatztitel »Paläontologe«, war bei der Stelle. Wenn nicht, auch nicht schlimm, dann wurde eine Uraltstory aus dem Archiv hervorgekramt.

Nun aber ist alles anders!
Das geliebte paläontologische Urviech wurde gesichtet!
»Wieder mal!«, werden die Kritiker sagen.

Diesmal ist es anders!

Dem schottischen Pizzabäcker mit italienischen Wurzeln Giuseppe Mcintyre war es gelungen, Nessie zu füttern. Das scheue Tier stand auf Pizza belegt mit Schinken, Artischocken und Käse.
Fish & Chips rührte Nessie nicht an.

Sofort ließ Mcintyre den Namen seiner Pizza schützen. Jetzt darf nur er alleine seine Pizza »Pizza alla Nessie« nennen. Die anderen Pizzabäcker rund um Loch Ness waren stinksauer.

Der Einwand, Nessie wäre allgemeines schottisches  Kulturgut hatte vor dem Patentgericht keinen Bestand. Giuseppe Mcintyre gewann den Prozess.

In den frühen Abendstunden wurde extra für Nessie eine 40 cm im Durchmesser große Pizza gebacken, die Giuseppe höchstpersönlich raus auf den See ruderte.
Stück für Stück verfütterte er an Nessie, die geduldig neben dem Schlauchboot her schwamm.
Nessie war noch sehr scheu, deshalb duldete Mcintyre beim Fütterungsakt keine Fotografen um sich herum.

Allerdings schwört Mcintyre bei der heiligen Madonna von Catania und aller anderen sizilianischen Heiligen, dass seine Worte wahr und er reinen Herzens sei.
Nessie würde ihre Pizza immer bis auf den letzten Bissen verzehren und dann in die unergründlichen Tiefen von Loch Ness abtauchen. Gelegentlich kämen kurz nach dem Abtauchen vermehrt Luftblasen an die Wasseroberfläche, die Giuseppe Mcintyre als Bäuerchen seiner Nessie interpretiert.

Allerdings konnte man aus gebührender Entfernung vom Ufer aus, bewaffnet mit Feldstecher und Fernrohr, dem Füttern zuschauen.
Dann sah der Beobachter gegen die untergehende Sonne, die sich mit abertausend Lichtreflexen im Wasser spiegelte, einen schlanken Körper neben dem Schlauchboot im Wasser gleiten.
Ein paar Zuschauer wollten sogar ein Schmatzen gehört haben.
Sobald der Feuerball hinter dem Horizont verschwunden war, war die Pizza restlos aufgefressen und Giuseppe Mcintyre ruderte zurück ans Ufer.
Eines Abends, so berichtete der Pizzabäcker, habe er seine Nessie sogar kurz streicheln dürfen.

Der Hype hielt den ganzen Sommer an. Dann wurde es Herbst und der Besucherstrom ebbte ab. Mcintyre hatte währen dieser Zeit das Geschäft seines Lebens gemacht.

Als italienischstämmiger Schotte hat er nicht nur Entdeckerblut in den Adern, sondern auch einen ausgeprägten Geschäftssinn genetisch verankert.

Kaum war es um Loch Ness wieder ruhig geworden, plante Mcintyre seinen nächsten Coup. Dann muss halt die heilige Madonna von Catania und aller anderen sizilianischen Heiligen noch mal herhalten.
Dem irischen Heiligen St. Patrick, den ihm seine Frau vorschlug, traute er nicht über den Weg.

Mcintyre war wochenlang verschwunden. Er sei nach Fernost gereist.
Vorsorglich hatte er noch kurz vor seiner Abreise eine Voranfrage an das Patentamt geschickt um sich einen zweiten Namen für seiner Pizza schützen zu lassen: »Pizza alla Yeti«!

Dienstag, 6. Juni 2017

Wenn die eigene Frau in einem Blumentopf erscheint.

Ich kann jetzt nicht sagen, der Schreck sei mir in alle Glieder gefahren, dem war nicht so.

Erst mal war ich total erstaunt über dieses Phänomen, das keine Momenterscheinung war. Doris war minutenlang im Blumentopf zu sehen. Ich konnte sogar mehrere Fotos davon machen.

Natürlich stellte ich mir die Frage, ob das was zu bedeuten habe. Es ist ja nicht so, dass einem die eigene Frau allzu häufig in einem Blumentopf erscheint.
Es ist übrigens ein Blumentopf, den sie selber mit dunklem Ton modellierte und brannte, sogar winterhart!
Ob diese Tatsache von Bedeutung ist, weiß ich allerdings nicht.

Ich erlebte das mit meinen nun fast siebzig Jahren noch nie. Erste Recherchen in dieser Sache verliefen alle negativ. Mit Sicherheit kann man annehmen, dass dieses Phänomen nicht häufig vorkommt.


Paranormale Erscheinungen sind nicht so mein Ding, da habe ich schlichtweg keine Antenne für.

Aber, wenn man seine Frau mit eigenen Augen in einem von ihr selbst hergestellten Blumentopf sieht, kommt man schon ins Grübeln, umso mehr, wenn der Ton winterhart gebrannt ist.
Ich kann meine Frau nicht einfach fragen: »Was hast Du in dem Blumentopf gemacht?«, und ihr das Foto präsentieren.

Natürlich habe ich mir darüber noch kein abschließendes Urteil gebildet. Ich hoffe nur inständig, dass das nicht öfters passiert.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Vorsicht Vatertag





Es muss Zufall gewesen sein. Wie sonst kommt man auf die hirnrissige Idee Christi Himmelfahrt und Vatertag zusammenzulegen.
Diese hochnotpeinliche Allianz ist den meisten vatertagsfeiernden Kerlen, die nicht mal Väter sind, gar nicht bewusst.
Hauptsache es ist genug Bier gebunkert und der Grill funktioniert. Alles andere kommt von alleine, der Rausch sowieso.
Ganz Verwegene ziehen mit dem Leiterwagen durch die Lande. Erst gehen sie noch, dann wanken sie nur noch!

Es feiert sich doch gleich doppelt so gut, wenn das Besäufnis einen Namen hat.

Vatertag!

Aufgrund des erhöhten Alkoholkonsums gibt es am Vatertag erheblich mehr Schlägereien als an anderen Tagen. Laut dem Statistischen Bundesamt steigt die Zahl der durch Alkohol bedingten Verkehrsunfälle an Christi Himmelfahrt auf das Dreifache des Durchschnitts der sonstigen Tage an und erreicht einen Jahreshöhepunkt.

Ähnliches habe ich beim Muttertag nie gelesen. Irgendwie muss das mit dem Testosteron zusammenhängen, das nicht nur den Zeugungsakt möglich macht, sondern auch die Aggressivität steigert.
Am Muttertag steigt höchstens die Anzahl der sahnetortenbedingten Gallenkoliken. Aber das ist eine andere Baustelle.

Ich gönne jedem seinen Vatertag, wirklich jedem, ob er nun Vater ist, erst wird oder es überhaupt nicht vor hat.
Aber, muss man dabei so viel saufen?

Sonntag, 21. Mai 2017

Glücksbringer

»Montparnasse und Montmartre«, dieses Buch hielt ich vor wenigen Tagen wieder mal in den Händen. Dort werden »Künstler und Literaten in Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts« beschrieben.
Ich muss gestehen, so richtig durchgelesen hab ich das noch gar nicht!

Ich nahm es ja aus einem ganz anderen Grund aus dem Regal.
Da drinnen deponierte ich nämlich im Herbst letzten Jahres mein vierblättriges Kleeblatt, um es zu Pressen und zu Trocknen.

Damals, irgendwann im September, fand ich es auf der Wiese gleich hinterm Haus. Es war mein erstes vierblättriges Kleeblatt überhaupt. Noch nie in meinem langen Leben fand ich so was.

Damals freute ich mich über diesen Glücksbringer. Dass so was für die Ewigkeit aufgehoben werden muss ist sowieso klar. Aus diesem Grunde musste das oben erwähnte Buch herhalten.
Der Buchtitel war bewusst gewählt. So ein filigranes Kleeblatt, wenn es sogar vierblättrig ist, kann man nicht einem schnöden Krimi oder einer seichten Liebesschnulze anvertrauen. Da muss schon was Gehobeneres herhalten. So kam ich auf dieses Buch:
»Montparnasse und Montmartre, Künstler und Literaten in Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts«.
Ich fand es damals, übrigens auch heute noch, für mein vierblättriges Kleeblatt angemessen.

Vorsichtig schlug ich das Buch auf, nahm das gefaltete Löschblattpapier heraus. Da lag es vor mir, mein Kleeblatt, mein Glücksbringer.

Apropos »Löschblatt«, ich weiß nicht, ob der Begriff den Jüngeren meiner Leserschaft noch bekannt ist. Das waren saugstarke DIN-A-5 oder DIN-A-4 Blätter, die in einem Schreib- aber auch Rechenheft lagen. Damit konnte man die überschüssige Tinte vom Blatt aufsaugen, damit sie nicht verschmierte.
Ich benutze ganz selten Löschblätter, obwohl ich viel mit Tinte schreibe. Ich habe zwei Tintenroller und eine Tintenwiege, das ist praktischer.



 

Jetzt bin ich ganz vom Thema abgekommen. Es ging ja nicht um Löschblätter, sondern um mein vierblättriges Kleeblatt.

Nachdem ich es eine geraume Zeit betrachtet hatte, mit viel Freude, wie ich gestehen muss, legte ich es vorsichtig zur Seite und ging mit Camillo eine Rasenrunde. Da kann er an der langen Leine herumtoben.

Als ich so mittendrin im Grünen stand, schweifte mein Blick nach unten. Ob ich noch mal einen vierblättrigen Glücksbringer finden würde?

Eher halbherzig heftete ich meinen Blick auf den Rasen. Es wimmelte nur so vor abertausenden kleiner und großer Kleeblätter. 


Ich wollte schon zu mir: »Alter Trottel, Du glaubst doch nicht im Ernst, dass Du ...!«, sagen, als ich es fand.
Ein wunderschönes Kleeblatt, selbstverständlich vierblättrig. Ganz vorsichtig pflückte ich es. Es sollte sogleich zwischen den Buchdeckeln von »Montparnasse und Montmartre« getrocknet und gepresst werden.

Kaum war in ein paar Schritte weitergegangen, den Blick immer noch am Boden, sah ich noch eins.
Innerhalb von nicht mal einer Minute fand ich an zwei verschiedenen Stellen je ein vierblättriges Kleeblatt. Ich traute meinen Augen nicht.

Nach dem ersten Überschwang, selbstverständlich liegen nun beide im »Montparnasse«, kam neben dem sicher vorhandenen Glücksgefühl die Neugierde.



Wie oft gibt es die Vierblättrigen. Ich machte mich auf die Suche.
Aber das soll eine neue Geschichte werden, die ich ein andermal erzähle.





Dienstag, 25. April 2017

Künstler und ihre bewegte Zeit

Die Cosmaten, eine römische Künstlerfamilie prägten ihre Epoche im 12. und 13. Jahrhundert durch herrliche Schmuckarbeiten in Kirchen und Palästen. Ihre Mosaikarbeiten legen heute noch Zeugnis ab von ihrem Können.

Michelangelo, Künstler, Großunternehmer in Sachen Sakralbau und Genie lieferte schon mit 25 Jahren, damals schrieb man das Jahr 1499, sein Meisterstück ab.
Die »Pietà« rechts neben der Porta Sancta im Petersdom.

Die gigantische Kuppel des Petersdoms wurde von ihm entworfen. 1547 wurde er zum Architekten von Sankt Peter von Papst Paul III. berufen. Die Fertigstellung seiner Kuppel erlebte er nicht mehr.

1502 schuf Bramante das »Tempietto«, ein Musterbeispiel der Hochrenaissance.
Bernini (*1598 †1680) prägte durch seine Kirchen, Statuen, Brunnen und Paläste das Gesicht Roms.
Zur gleichen Zeit im heiligen Jahr 1600 wurde der Philosoph Giordano Bruno wegen Ketzerei auf dem Campo dei Fiori verbrannt.

1651 gestaltete Bernini die Piazza Navona in seiner jetzigen Form.
1657 vollendete Borromini Sant’ Agnese in Agone.
Zwischendurch widerrief Galileo Galilei, sodass sein bereits gesprochenes Todesurteil ausgesetzt wurde. Kurz vor seinem Tod muss er gesagt haben: »Und sie bewegt sich doch!«

Damals war man der Meinung, die Sonne kreise um die Erde und die sei stillstehender Mittelpunkt des Universums. Galileo und Bruno wussten es besser. Der eine widerrief und lebte, der andere widerrief nicht und starb.

Es waren bewegte Zeiten im Rom der Renaissance und des Barock.
Geht man mit offenen Augen durch Rom, dann leben diese Zeiten wieder auf.

Heute steht Giordano Bruno als überlebensgroße Statue mitten auf dem Campo dei Fiori, den Blick fest Richtung Vatikan gerichtet, allen Ignoranten und ewig Gestrigen zur Mahnung!


Momentaufnahmen in Marmor

Bernini war ein Meister im Einfangen eines Augenblicks. Ein momentaner Gesichtsausdruck muss diesen Künstler fasziniert haben.
Nicht anders ist es zu Verstehen, dass er mit 25 Jahren eine Momentaufnahme in Marmor festhielt. Nämlich das Gesicht von David im Kampf gegen Goliath in dem Augenblick vor dem Steinwurf.
Zu bewundern ist dieses Kunstwerk in der Villa Borghese.
Ein weiterer Beweis für sein Interesse am Augenblick ist sein wohl berühmtestes Werk »Apollo und Daphne«.

Hier zeigt er die vor dem Lichtgott Apollon fliehende Nymphe Daphne im Moment ihrer dramatischen Verwandlung in einen Lorbeerbaum.

Momentaufnahmen in Marmor festgehalten mit einer Schärfe und Klarheit, die all die Größe und Genialität dieses Künstlers offenbart.

Sage und schreibe zwei geschlagene Stunden stand ich schon vor diesem Kunstwerk. Ich habe mich immer noch nicht daran sattgesehen. Jedes mal war die Villa Borghese ein Muss während unserer Romaufenthalte. 



Senatus Populusque Romanus
Dem Senat und dem Volke Roms

S.P.Q.R.

Diese Abkürzung ist heute noch der Stempel der Commune di Roma.
Mit diesen Buchstaben ist ein Weltreich charakterisiert, das jedem unwiderruflich klar macht, was wem gehört!

Nichtrömische Italiener übersetzten die fünf Buchstaben despektierlicher.
»Sono pazzi questi romani!«
»Die Spinnen, die Römer!«

Freitag, 21. April 2017

Andiamo a Roma

Immer dann, wenn unsere kleine Reisegruppe den Rundbrief »Andiamo a Roma« von mir bekam, fing das Fieber an. Wir alle waren schon jahrelang von diesem Reisevirus infiziert. Es trat periodisch auf, lange schlummerte es in unseren Gedanken bis zum nächsten Ausbruch. Medikamente gab es keine gegen diesen Erreger, er war immun gegen alle gängigen Rezepturen.

Spätestens wenn ich die Hotelzimmer und die Schlafwagenabteile buchte, zeigten sich die ersten Symptome. Ein unbeschreibliches Gefühl setzte sich in den Gedanken fest, Erinnerungen wurden wach.

Rom, was ist das Besondere an dieser Stadt? Viele Literaten haben sie beschrieben, haben in ihren Mauern gelebt und ihr eigenes Rom erlebt.
Roma aeterna, die ewige Stadt pulsiert.

So viele Wege sind wir in unserem Rom gegangen, bewunderten die lauten Kulissen und genossen die stillen Winkel. Immer wieder entdeckten wir sie neu, erlebten sie anders und liebten sie umso mehr.

Da waren die hoch aufstrebenden Barockfassaden, die dem Betrachter den Atem raubten, die antiken Baudenkmäler, die zeitlos aus ihrer Vergangenheit erzählten.

Berninis Brunnen spielten mit dem Wasser und nebenan erinnerten uns himmelwärts strebende Marmorsäulen an die Macht der römischen Kaiser. Die Renaissance-Paläste beschrieben den Reichtum und den Absolutismus der Päpste jener Zeit.
Wer einmal vor Berninis »Apollo und Daphne« stand, der wird ein Leben lang Sehnsucht nach Rom haben.

 



Alles begann vor Dreitausend Jahren mit ein paar ärmlichen Behausungen auf dem Palatin. In grausamen Stammesfehden wurden die ortsansässigen Etrusker unterworfen.
Seine größten Feinde vernichtete Rom. Das mächtige Karthago wurde dem Erdboden gleich gemacht, kein Stein blieb auf dem anderen. Der Tempel in Jerusalem wurde bis auf die Westmauer zerstört. Die Völker wurden unterjocht.
Rom expandierte zur Weltmacht.

Fast ganz Europa unterwarf es, dazu weite Teile Kleinasiens und den Norden Afrikas.
Das aufstrebende Christentum veränderte Rom, die Völkerwanderung war es schließlich, die die Weltmacht Rom in die Knie zwang.

Das finstere Mittelalter ließ Rom zum Provinznest verkommen. Das »Heilige Römische Reich deutscher Nation« war nicht mehr als ein billiger Abklatsch des antiken Roms.
An Stelle der römischen Kaiser schwangen sich die Päpste empor. Sie übernahmen den Titel Pontifex Maximus, ohne an deren Größe anknüpfen zu können.

All dies ging in unseren Köpfen herum, wenn wir Rom erlebten.

Andiamo a Roma – Tanti saluti

Mittwoch, 19. April 2017

Unschuldige Sünden


Im Tazza d’Oro gibt es den besten Cafè

ANTIPASTI
Vorspeise steht im Wörterbuch.
Nur, das ist es nicht.

Antipasti sind eine Komposition, die in einer kleinen Trattoria aus vielen Einzelnoten eine wunderhübsche Melodie auf den Teller zaubert. Antipasti machen aus unschuldigem Genießen ein lüsternes Verlangen nach immer gewagteren Gaumenfreuden. Buon appetito!

SPAGHETTI ALLA CARBONARA
Wenn Du diese drei Worte genüsslich über die Zunge sprichst, kommen tausend Sehnsüchte. Überall auf der Welt mögen Spaghetti Nudeln sein, hier in Rom ist es Pasta. Nicht wegzudenken aus Rom. Und nur hier sind diese Spaghetti alla carbonara so al dente!

ESPRESSO
Das ist nicht irgend eine schwarze Brühe, in der gemahlene Kaffeebohnen ertränkt werden, Café in Rom ist Dröhnung, Eruption, Genuss pur, der Beste der Welt.

Egal ob in einer kleinen Bar, auf einer Piazza oder im Straßencafé. Es ist nur wenig, aber der Stoff ist sofort im Blut. Basta!

GELATI
An jeder Ecke lauert die Versuchung. Ein kühler Traum katapultiert dich in den Olymp der Sinnlichkeit. Der absolute Kick!
Alleine beim Bestellen der verschiedenen Sorten spürst du den kalten Hauch der köstlichen Aromen auf deiner Zunge. Gelati, süß wie die Sünde und doch so unschuldig schmelzend auf den Lippen.

EINEN BOGEN SPANNEN
Wo kannst du besser einen Bogen spannen zwischen Antiker Geschichte und zart schmelzendem Eis?
Rom
In keiner anderen Stadt ist Caesar neben Lukull zu finden!

TI AMO ROMA - ICH LIEBE DICH - ROM!



Dienstag, 18. April 2017

Gigantismus und Größe


Rom hat keine Superlativen, es kommt ohne sie aus. Es gibt nichts in Rom, was das Schönste, das Höchste, das Größte ist.

Rom hat nur eines, es hat eine schlichte Einmaligkeit. Diese Komposition der Urbanität, der Geschichte und der gewachsenen Schönheit macht diese Stadt zum CAPUT MUNDI, zum »Haupt der Welt«.

Hier ist ein versteckter Brunnen auf einem der vielen Piazzi der Altstadt nichts Gigantisches, es ist eine trinkwassersprudelnde Einmaligkeit. Er erzählt mit seinem in Stein gehauenen Relief eine Alltagsbegebenheit. Gespeist von einem der vielen Aquädukte, die Rom schon seit Jahrhunderten mit Wasser versorgen, ist diese Fontanella urwüchsiges Rom. Somit haben der kleine Brunnen in der Altstadt und der bombastische Trevi-Brunnen alle Gemeinsamkeiten Roms, sie sind beide einmalig! Das spüre ich in den Gassen Roms.

In den Handwerksbetrieben, in diesem Durcheinander von Werkzeugen und Werkstücken arbeiten Menschen, Römer. Sie arbeiten härter als mancher Tourist, der durch diese engen Gassen schlendert. Diese Altstadtgassen sind keine »Vorzeigekulissen«, zurechtgemacht und herausgeputzt, diese Altstadtgassen sind kompaktes Leben jeden Tag, jede Stunde neu und oft dramatisch erzählt.

Sie sind genau so einmalig wie das weltberühmte Kolosseum.
Grob behauene Pflastersteine erzählen eine faszinierende Geschichte für den, der bewusst durch diese Gassen geht. Ob es das Pflaster in der Altstadt ist, das von einem Arbeiter vor einem Jahrtausend gelegt wurde, oder das Marmorpflaster des Campidoglio, entworfen von Michelangelo, beide sind einmalig.
Das ist Rom hautnah und intensiv. Vielleicht versteht jetzt der »Noch-nicht-in-Rom-Gewesene«, was in uns vorgeht, wenn wir römischen Boden unter den Füßen haben. Vielleicht kann er jetzt begreifen wie wir einem nächsten Rombesuch entgegenfiebern.

Wir werden eins mit dieser Stadt. Die Macht der Einmaligkeit und der Schönheit fasziniert, sie wirkt wie ein riesiger Sog, dem man sich nicht entziehen kann.

Tanti saluti e buon viaggio a Roma

Montag, 17. April 2017

Bella Figura in Rom

 Bella Figura

Rappelvoll hält der Bus. Trotzdem quetschen sich noch mehr Menschen hinein.
»Scusi prego!« oder »permesso prego!«, sind typische Worte. Busfahren in Rom wird zur Leidenschaft!

Dann kommt das Allergrößte.
Römerinnen, wie aus dem Ei gepellt, im dunklen Kostüm schick frisiert, modisch elegant gekleidet, entsteigen diesem Chaos.
Das ist »Bella Figura« in Rom.

Soviel schick gekleidete Menschen, auch Männer, sieht man nur in Rom.

Der Tourist fällt sofort auf, auch wenn er kein Japaner ist.
An allen Sehenswürdigkeiten von frühmorgens bis spätabends, überall Japaner.
Sehr freundlich, sehr gruppenbezogen, pausenlos fotografierend entdecken sie Rom.

»Was wäre, wenn alle Japaner gleichzeitig auf ihrer Insel wären?« Diese Frage stellten wir uns ein paar mal.

Genießen, Diskutieren und Staunen

Das sind drei wesentliche Beschäftigungen in Rom.
So vielfältig wie diese Stadt, so vielfältig waren unsere Themen. Immer wieder wurde uns bewusst, so gute Gespräche und so intensives Genießen kann man nur in Rom!
Das geht auf einer Marmorbank irgendwo am Rande einer Piazza, in einem Park oder auf einer Kirchentreppe.
Natürlich auch in einer Hostaria oder Trattoria. Das geht sogar mit einem Pappbecher, wenn nur ein guter Wein drinnen ist.

Trastevere





Die Abende am Brunnen auf der Piazza Santa Maria in Trastevere bleiben in ewiger Erinnerung. Dieses malerische Viertel Roms auf der anderen Seite des Tibers ist schon am Tage umwerfend schön. Bei einbrechender Dunkelheit entwickeln die mittelalterlich anmutenden Gassen und Plätze ihre eigene Mystik.
Ein Becher Vino, egal ob bianco oder rosso, an diesem Brunnen, gehört mit zu den schönsten Erinnerungen.

Dort trafen wir Herbert. Er quatschte uns einfach an und das in breitestem Fränkisch. Er würde hier gleich um die Ecke wohnen und er sei fast jeden Abend hier. Wir boten ihm einen Schluck Wein an.
Nach dem ersten Schluck meinte er, er könne uns besseren Wein besorgen. Wir sollten ihm zwanzig Euro geben, er wäre gleich wieder zurück.

Ich gab ihm das Geld, da hörte ich von schräg gegenüber die Bemerkung: »Der sieht sein Geld nie wieder!«
Dann sah ich das hämische Grinsen eines Anzugträgers, der mir versicherte, das sei doch alles Gesindel.
Ich drehte mich einfach um, mit so einem Typen wollte ich nicht diskutieren.

Herbert kam mit zwei Flaschen Wein an und brachte noch 4 Euro Rückgeld mit.
Bevor er die Flaschen auf dem Brunnensockel abstellte, trat er ganz nahe an den Anzugträger und sagte:
»Auch mit Krawatte bleibt ein Depp ein Depp!«
Dann nahm er seinen Korkenzieher aus der Tasche.
Der Wein schmeckte vorzüglich.

Herbert »wohnte« in einem Karton, gleich hinter der Kirche Santa Maria in Trastevere in einer Mauernische.
Da sei ausreichend für ihn. Er genieße jeden Tag in Rom.

Meine Frau, sie will es immer ganz genau wissen, fragte ihn, wie denn das mit der Körperhygiene sei.
Mindestens zweimal in der Woche gehe er zum Duschen. Er kenne ganz viel Personal rundum in den Hotels. Da würde es gar nicht auffallen, wenn er bei einem Zimmerwechsel mal schnell unter die Dusche springen würde.
Den Wein habe er übrigens zu einem Freundschaftspreis vom Kellner gleich da drüben bekommen.

Herbert erzählte und erzählte. Zwischendrin rief er dem einen oder anderen Bekannten etwas auf Italienisch zu.

Es war ein kurzweiliger Abend. Der Anzugträger war verschwunden und Herbert besorgte noch eine dritte Flasche.


Wie viel Rom kann man in 5 Tagen verkraften?

Solange es Spaß macht!
Es macht auch noch Spaß, wenn die Füße wehtun vom nicht gerade filigranen römischen Pflaster.
Es macht auch noch Spaß, wenn man hundemüde auf einem der sieben Hügel Roms unter der Mittagssonne Siesta macht.
Es macht auch noch Spaß, wenn man in den späten Abendstunden vergebens auf den Bus wartet.

Es wird so lange Spaß machen, so lange es Rom gibt.
Deshalb stehen die Chancen gut, nicht umsonst ist Rom die Ewige Stadt!

Roma aeterna

Sonntag, 16. April 2017

Die Säulen des Pantheon



Vielleicht ist es der schönste Platz in Rom, die Piazza Rotonda mit dem alles beherrschenden Pantheon. Doch kaum ist dieser Gedanke zu Ende gedacht, schon zweifelt man wieder um seine Aussage, »der schönste Platz«.

 Speziell in Rom sind diese Superlative sehr schwierig zu gebrauchen. Was ist schon das Schönste? Schön zum Anschauen? Schön zum Träumen?
Sei`s d´rum!

Sehr gerne sitze ich vor diesem mächtigen Bauwerk, mal direkt auf den wenigen Stufen des Brunnens in der Mitte der Piazza, mal direkt unter den mächtigen Säulen des Eingangsportals.
Jedenfalls sind das Momente in meinem Leben gewesen, auf die ich nie verzichten wollte.
Je näher ich mich solch einer mächtigen Säule nähere, desto beklemmender das Gefühl der Vergänglichkeit, desto kraftstrotzender der kalte Stein. Fast zögernd berührt man diesen Stein. Himmelwärts strebend haben diese Säulen eine über zweitausendjährige Geschichte über sich ergehen lassen. Monumental begleiten sie die vorbeigehenden Menschen, erinnern an antike Baumeister, die bis auf den heutigen Tag zu den Besten zählen, die die Menschheit hervorgebrachte.
 
In Sekundenschnelle geht mir das durch den Kopf, wenn ich durch den Portikus in das Innere dieses antiken Tempels gehe.
Ich scheue mich das Pantheon als Kirche zu bezeichnen obwohl es natürlich schon recht früh in der Geschichte des Papsttums als christliche Kirche umfunktioniert wurde (608).

Geblieben ist aber kein sakrales christliches Bauwerk, sondern ein erhabenes antikes Monument aus der Blütezeit des römischen Imperiums jenseits aller christlicher Frömmelei.

Hier spürt man die alten, die heidnischen Götter Roms. Das Pantheon wurde geschunden, aber selbst die Barberini konnten diesen antiken römischen Tempel nicht gänzlich zerstören. Die riesige Kuppel hat noch die gleiche Faszination wie schon vor Zweitausend Jahren.

Die Tonnen Kupfer, die seinerzeit die Kuppel schmückten, sind heute im Hochaltar des Petersdoms verbaut.

Flutet das Licht durch die Öffnung in der Kuppelmitte in mein Gesicht, dann spüre ich mich den alten Göttern nahe.

Alles was heute in diesem Bau untergebracht ist wird nebensächlich. Kein Raffael, kein Umberto kommt an die Dimensionen heran, die ich im Geiste erklimme.

Dieses raumumgreifende Monument erlebe ich jedes mal mit einer andachtsvollen Stille und mit einem ehrfurchtsvollen Respekt. So allumfassend die Wirkung im inneren ist, so vollkommen wird sie dem Betrachter von außen. Wieder vorbei an den Säulen des gewaltigen Portikus spürt man den Hauch der Antike.

Die Säulen beginnen mir über jene Zeit zu erzählen. Meine geistige Zwiesprache ist alles andere als billige Gefühlsduselei. Es ist intensive Vorstellungskraft.

Schon zu allen Zeiten haben diese Säulen ihre Macht gegenüber den Menschen demonstriert. In archaischer Festigkeit können sie jeden überzeugen, was Stabilität und Zuverlässigkeit ist. Kaiser kamen und gingen, die Macht wechselte oft berauschend schnell.
Die steinernen Zeugen einer statischen Macht aber waren und sind unbestechlich und absolut gegenwärtig.

Diese Säulen demonstrieren ihre Jahrhunderte. Die Steinmetze, die diese Pracht geschaffen haben, waren den Göttern näher. Auch wenn man ein paar mal diese Säulen umrundet, so ganz ergründen kann man sie nicht. Kleine und kleinste Schrammen und Schrunden in dem harten Marmor versuchen eine ehrliche Geschichte zu erzählen.

Dann wird es schon symbolhaft, wenn eine zierliche Kinderhand diese aufstrebenden Kolosse berührt. Unwillkürlich erwartet man, dass irgendetwas passiert.
Kalter Stein in der Berührung einer unendlich zarten und warmen Kinderhand. Hier ist etwas für die Ewigkeit geschaffen, das immer wieder neues Leben fasziniert.

Ewiges junges Rom.

Samstag, 15. April 2017

Rom und die Farbe Blau

Strahlend blauer Himmel über der Ewigen Stadt. Die weiten Felder, die schlanken Zypressen, darüber ein Firmament mit intensivem Blau, hineingestreut ein paar weiße Wolkentupfer.

 Die Ausfallstraße mit ihrem nicht abreißenden Verkehr haben wir hinter uns gelassen. Ein paar Stufen hinauf, durch den Torbogen und schon liegt der Kiesweg zu den Callisto Katakomben vor uns. Der Lärm der Straße fast lautlos.




 


Vor uns die niedrigen Häuser über der Katakombe, rechts über den Feldern Sankt Sebastiano. Gruppen werden zusammengestellt. Führungen in allen gängigen Sprachen. Wir haben Glück, gerade wird eine gruppo tedesco" aufgerufen. Eine hübsche und sehr freundliche Signorina lotst uns an den Wartenden vorbei.

Erleichtert kommen wir nach einer dreiviertel Stunde zurück an die Oberfläche, ein beklemmendes Gefühl fällt in der wärmenden Sonne ab. Frohgemut schlendern wir zurück an die Bushaltestelle. Gegenüber in einer Bar gibt es Kaffee und andere Erfrischungen.

Genüsslich schauen wir dem chaotischen Verkehr zu. Im spitzen Winkel vereinigen sich zwei stark befahrende römische Ausfallstraßen. Keine Ampeln, Verkehrszeichen werden ignoriert. Mit stetigem Hupen und aus dem Fenster gestikulierend verschaffen sich die Motoristi den nötigen Respekt. Es kommt zu bizarren Situationen inmitten hupender Autos, aber irgendwie geht es weiter. Obwohl lautstark und unter vehementem Einsatz der Körpersprache habe ich nie den Eindruck, dass die Fahrer zornig sind. Gelassenheit trotz Chaos.

Teilnahmslos die Radfahrer, eine Lücke kann gar nicht so klein sein, dass sie nicht doch noch durchradeln.

Erst die Polizia Communale regelt etwas Planung in diesen Wirrwarr. Mit einer bestialischen Mine, die Trillerpfeife zwischen den Lippen, pausenlos pfeifend, mit den Armen rudernd, gelingt es dem Poliziotto, den Verkehr zum Laufen zu bringen. In Siegerpose, theatralisch den Kopf im Nacken, in schmucker blauer Uniform zeigt er der tosenden Blechlawine, wer der Herr ist auf dieser Weggabelung.

Ein faszinierendes Schauspiel unter dem strahlend blauen Himmel Roms.

Freitag, 14. April 2017

Künstler und ihre bewegte Zeit

Die Cosmaten, eine römische Künstlerfamilie prägten ihre Epoche im 12. und 13. Jahrhundert durch herrliche Schmuckarbeiten in Kirchen und Palästen. Ihre Mosaikarbeiten legen heute noch Zeugnis ab von ihrem Können.

Michelangelo, Künstler, Großunternehmer in Sachen Sakralbau und Genie lieferte schon mit 25 Jahren, damals schrieb man das Jahr 1499, sein Meisterstück ab.
Die »Pietà« rechts neben der Porta Sancta im Petersdom.

Die gigantische Kuppel des Petersdoms wurde von ihm entworfen. 1547 wurde er zum Architekten von Sankt Peter von Papst Paul III. berufen. Die Fertigstellung seiner Kuppel erlebte er nicht mehr.

1502 schuf Bramante das »Tempietto«, ein Musterbeispiel der Hochrenaissance.
Bernini (*1598 †1680) prägte durch seine Kirchen, Statuen, Brunnen und Paläste das Gesicht Roms.
Zur gleichen Zeit im heiligen Jahr 1600 wurde der Philosoph Giordano Bruno wegen Ketzerei auf dem Campo dei Fiori verbrannt.

1651 gestaltete Bernini die Piazza Navona in seiner jetzigen Form.
1657 vollendete Borromini Sant’ Agnese in Agone.


Zwischendurch widerrief Galileo Galilei, sodass sein bereits gesprochenes Todesurteil ausgesetzt wurde. Kurz vor seinem Tod muss er gesagt haben: »Und sie bewegt sich doch!«

Damals war man der Meinung, die Sonne kreise um die Erde und die sei stillstehender Mittelpunkt des Universums. Galileo und Bruno wussten es besser. Der eine widerrief und lebte, der andere widerrief nicht und starb.

Es waren bewegte Zeiten im Rom der Renaissance und des Barock.
Geht man mit offenen Augen durch Rom, dann leben diese Zeiten wieder auf.

Heute steht Giordano Bruno als überlebensgroße Statue mitten auf dem Campo dei Fiori, den Blick fest Richtung Vatikan gerichtet, allen Ignoranten und ewig Gestrigen zur Mahnung!


Momentaufnahmen in Marmor

Bernini war ein Meister im Einfangen eines Augenblicks. Ein momentaner Gesichtsausdruck muss diesen Künstler fasziniert haben.
Nicht anders ist es zu Verstehen, dass er mit 25 Jahren eine Momentaufnahme in Marmor festhielt. Nämlich das Gesicht von David im Kampf gegen Goliath in dem Augenblick vor dem Steinwurf.
Zu bewundern ist dieses Kunstwerk in der Villa Borghese.
Ein weiterer Beweis für sein Interesse am Augenblick ist sein wohl berühmtestes Werk »Apollo und Daphne«.

Hier zeigt er die vor dem Lichtgott Apollon fliehende Nymphe Daphne im Moment ihrer dramatischen Verwandlung in einen Lorbeerbaum.

Momentaufnahmen in Marmor festgehalten mit einer Schärfe und Klarheit, die all die Größe und Genialität dieses Künstlers offenbart.

Sage und schreibe zwei geschlagene Stunden stand ich schon vor diesem Kunstwerk. Ich habe mich immer noch nicht daran sattgesehen. Jedes mal war die Villa Borghese ein Muss während unserer Romaufenthalte.

Mittwoch, 12. April 2017

Viele Wege führen nach Rom!



Senatus Populusque Romanus – Senat und Volk von Rom

Wenn wir unseren Blick über das Forum Romanum schweifen lassen, die grobgehauenen Pflastersteine der Via sacra unter unseren Füßen spüren, dann erahnen wir die Größe dieser Stadt, die nicht von ungefähr »Caput Mundi« Haupt der Welt genannt wurde.

 Über dieses Pflaster zogen siegreiche Feldherrn hinauf zum Kapitol. Hier trafen sich die Größen ihrer Zeit.
Das ist keine Kopie, keine Imitation, hier ist das Original!
Auf der »Rostra«, der Rednertribüne stand Cicero und redete zum römischen Volk.

Dem zweiten Triumvirat, Augustus, Markus Antonius und Markus Lepidus, wurde Cicero zu mächtig. Sie ließen ihn 45 vor Chr. ermorden und stellten seinen Kopf und seine Hände an der Rostra zur Schau.

Unter dem majestätischen Saturntempel aus dem 5 Jahrhundert vor Christus wurden Feste zu Ehren des Gottes gefeiert. Diese Feste nannte man »Saturnalien«. Es wurden Geschenke ausgetauscht. Sklaven und Herren saßen nebeneinander und feierten. Während der Saturnalien wurden keine Kriege erklärt, Schulen und die Gerichtsbarkeit waren geschlossen.
Da spielte sich alles vom 17. bis 23. Dezember ab. Das christliche Weihnachtsfest wurde nicht zufällig auf das gleiche Datum gelegt.

Im Vestatempel brannte das heilige Feuer. Die Vestalinnen, jungfräuliche Priesterinnen, hüteten die Flamme. Verlor eine Vestalin ihre Jungfräulichkeit während ihres Priesteramtes, wurde sie lebendig begraben und der Mann zu Tode gepeitscht.

Die Ruinen des Forum Romanum sind Zeugen dieser vergangenen Zeit.

Das Elend

Zugrundegerichtet, ohne Glanz dahinvegetierend, das war Rom im frühen Mittelalter. Unter der Knute der heiligen Mutter Kirche wurde die Antike ausgelöscht. Jämmerliche Hütten und Behausungen gaben den Menschen Obdach.
Wo waren die Säulenhallen, die Tempel, die Thermen?
Sie alle waren dem Verfall preisgegeben. Vandalismus und Zerstörung überall. Bestenfalls wurden die antiken Bauwerke als Steinbruch genutzt.

Die Kirche war alles! Was nicht christlich war, war mit dem Teufel im Bunde. Die von Norden einbrechenden barbarischen Völker mordeten und brandschatzten und die päpstlichen Truppen standen dem in nichts nach. In Christi Namen wurden die abscheulichten Gräueltaten verübt.
Es war die Zeit des Abschlachtens.
Morden und Plündern konnten sie alle.

Die wenigen Zeitzeugen, die des Schreibens mächtig waren, konnten nur unter Lebensgefahr zum Chronisten werden. Jedes geschriebene Wort, das nicht der Kirche diente, war ketzerisch. Das war gleichbedeutend mit einem Todesurteil des Schreibers.

Der Aberglaube trieb seine hässlichen Blüten. Die heidnischen Sitten waren noch lange nicht dem Christentum gewichen.

Uralte Handelswege verrotteten, keine steuernde Obrigkeit verlieh dem Handel Sicherheit. Lediglich die Pfründe der Kirche mehrten sich. Im Namen Gottes wurde geraubt, brandschatzt und gemordet. Ein Menschenleben galt nichts.

Das antike Wissen, die Künste, die Wissenschaft lagen darnieder. Handwerkliche Fähigkeiten gingen verloren. Die Philosophie wurde als ketzerisch gebrandmarkt. Staatliche Rechte, Gerichtsbarkeit und eine ordnende Verwaltung waren nicht mehr existent.
Es durfte nur aufgeschrieben werden, was der Kirche genehm war, alles andere wurde verbrannt.

Von allen Folianten, die keine christlichen Texte zum Inhalt hatten, wurde die Tine abgeschabt. So konnte das kostbare Pergamentum noch mal verwendet werden. Dadurch ging enormes Wissen aus der heidnischen Zeit, wie die Antike nun genannt wurde, verloren.

 Die lateinische Sprache verkümmerte und wurde nur noch in der Oberschicht gesprochen. Analphabetentum, das sicher nie ganz ausgemerzt war, griff um sich. Das gemeine Volk wurde dumm gehalten. Stadt und Land verfielen in eine Lethargie, aus der sie erst nach Jahrhunderten geschunden und gedemütigt aufwachen sollten.

Nur wenige »Keimzellen« wahrten im Verborgenen die ungeheuren Schätze der Antike und retteten sie über die Zeit.

Aber das ist eine andere Geschichte, die ich später erzählen werde.

Montag, 10. April 2017

Das Licht in Santa Sabina

Die in Zedernholz geschnitzten Reliefs schildern biblische Szenen. Aus dem fünften Jahrhundert stammt das Portal. Santa Sabina wurde in jener Zeit über heidnischen Ruinen erbaut.

Die schweren Holztüren geben den Weg frei in eine lichtdurchflutete Halle.

Beim Bau dieser Kirche waren die Kenntnisse und Fertigkeiten der heidnischen Welt längst Vergangenheit. Prachtvolle korinthische Säulen drängen ins Auge, sie können nur in der Hochblüte der römischen Kaiserzeit entstanden sein. Undenkbar, dass im fünften Jahrhundert ein Steinmetz im Stande war, diese feinen Kapitelle zu formen.

 

Die für den christlichen Bau verwendeten Säulen sind aus einem nahegelegenen römischen Heiligtum hierher transportiert worden. Sie bestehen aus parischem Marmor, demselben Stein, aus dem zahlreiche Bauten der klassischen Antike, auch die Akropolis in Athen, errichtet wurden.

Die Dominikaner haben Santa Sabina mehrfach umgebaut. 1939 wurde der ursprüngliche Zustand der Kirche wieder hergestellt.

Das viele Licht, dass durch die großen Fenster ins Innere hereinströmt, war manch gestrengem Glaubenslehrer ein Dorn im Auge.
Dies sei ein »übertriebenes Zugeständnis an die fleischliche Wohllust«, »die Lichtflut würde die frommen Seelen von der Meditation ablenken«.

Die damals zugemauerten Fenster sind wieder offen.

Im Hauptschiff der frühmittelalterlichen Basilika werden Reliefs und Mosaike aus vergangenen Zeiten mit Licht überflutet. Antike Darstellungen von Sinnes- und Lebensfreude.
Der alte römische Naturalismus konnte vom Christentum nicht gänzlich verdrängt werden.

Schritt für Schritt erlebe ich diese spätantike Kirche mit ihrem harmonischen Innenraum, die in ihren Proportionen noch ganz dem Stilempfinden der römischen Kaiserzeit entspricht.

Auf einer roh gezimmerten Holzbank sitze ich direkt neben den gewaltigen Säulenarkaden. Viele Einzelheiten an den Wänden und an den Gesimsen stechen ins Auge. In Stein gehauene Pflanzenmotive verbinden sich mit geometrischen Formen; ein Kelch übervoll mit Weinreben umrankt von Blumen.

Vergeblich suche ich eine Menschengestalt im Büßergewand. Vergeblich suche ich ein ausgemergeltes Christusantlitz in Stein gehauen.
Die Symbolik der ausgehenden Antike hat solch eine Christusdarstellung nicht gekannt.

Ein Dominikanermönch kommt auf mich zu, er muss bemerkt haben, dass ich seit geraumer Zeit hier bin.

Mit einem fröhlichen »buon giorno Signore« setzt er sich neben mich. Gemeinsam wandert unser Blick entlang der Fresken, entlang der Säulenhalle hinauf in die lichtgefluteten Arkaden.

Ein ganzes Leben lang sei er hier in Santa Sabina. Zu oft würde er nicht beten, die Kirche sei Lobpreisung genug.

Ich habe bis jetzt kein Wort erwidert, statt dessen blicke ich mit ihm zusammen in das helle Licht des Kirchenschiffes.
Unsere Augen treffen sich, ich sehe in den Augen des Dominikaners eine heitere Zufriedenheit. Eine Weile halten wir unseren Blicken stand.

»Kommen Sie!«
Schließlich gehe ich mit ihm nach vorne vor den schlichten Altar, der über und über mit Blumen geschmückt ist.
Nach einem hastig geschlagenen Kreuz verlassen wir die Basilika über die linke Eingangspforte.

Er habe in meinen Augen gesehen, wie sehr ich Santa Sabina bewundere.
Er nimmt mich am Arm, führt mich über den kleinen Innenhof durch eine niedrige Pforte hinein in den seitlichen Kirchenanbau, vorbei an einer Pförtnerstube. Ein gebrechlicher Dominikaner winkt uns müde weiter. Bald finde ich mich in der vollkommenen Abgeschiedenheit einer prachtvollen Bibliothek.

Domenico zeigt mir die Schätze seiner Klosterbibliothek.

Stunde um Stunde sitzen wir zusammen an einem glattpolierten Lesetisch, vor uns prachtvolle Folianten, bei denen ich mich gar nicht traue, das schwere Pergament umzudrehen.

Domenico bemerkt meine ängstliche Zurückhaltung. Er findet, dass man schon Ehrfurcht vor solchen Büchern haben müsse, aber schließlich seien sie doch zum Lesen da und er würde sich immer freuen, wenn nicht nur er diese Bücher lesen würde.

Seine Besucher suche er sich schon aus, auch mich hätte er eine ganze Weile beobachtet und wäre zu der Überzeugung gekommen, dass er mir mit diesem Besuch in seiner Bibliothek eine Freude machen könne.

Diese Begegnung ist viele Jahre her. Mittlerweile ist Domenico zum Freund geworden. Kein Rombesuch, bei dem ich nicht bei ihm vorbeischaue.
Immer das gleiche Ritual. Wir treffen uns in dem prächtigen Hauptschiff von Santa Sabina. Fra Domenicos Augen funkeln voller Freude und ich selbst, ich muss es gestehen, bin jedes mal aufgeregt. Dieses Licht im Inneren des Kirchenraumes fasziniert.

Zusammen betrachten wir seine Kirche, verlassen Santa Sabina über den linken Seitenausgang, gehen über den kleinen Innenhof durch die niedrige Pforte hinein in seine Bibliothek.

Mittlerweile ist es Brauch geworden, dass wir uns nicht gleich mit alten Büchern beschäftigen, sondern erst einen Schluck Wein trinken und dazu ein paar Bissen Brot essen.

In dieser Zeit will er mit mir - »parlare tedesco«, - deutsch sprechen. Domenico meint, bei einem Schluck Wein und einem Bissen Brot könne man gut miteinander reden und anschließend getrost ein paar Stunden über all den Kostbarkeiten der Bibliothek sitzen.

Mittlerweile weiß ich, Domenico ist ein Bücherbesessener. Sein ganzes Leben hat er diesen Büchern gewidmet. Nicht nur, dass er viele dieser Kostbarkeiten restauriert, er übersetzt so manchen lateinischen Text ins Italienische und ins Deutsche.

Diesmal warte ich vergeblich neben den korinthischen Säulen.
Durch die seitliche Pforte sehe ich einen jungen Dominikanermönch, der zögerlich auf mich zukommt.
»Dottore Gunthero?«

Mir drückt es das Herz ab!

Nach einer kurzen Begrüßung gehen wir wortlos an der niedrigen Pforte des Seitengebäudes vorbei, verlassen den kleinen Innenhof in entgegengesetzter Richtung.
Eine nur angelehnte schmiedeeiserne Tür führt neben die Stützmauern von Santa Sabina auf einen kleinen Gottesacker. Wir murmeln ein kurzes Gebet an einem frischen Grab. Dann lässt mich der Dominikaner alleine, damit ich in Ruhe von meinem Freund Abschied nehmen kann.

»Auch wenn ich Dir meine kostbaren Bücher nicht mehr zeigen kann, Du wirst immer viel Freude haben, wenn Du das Licht in Santa Sabina erlebst!«, waren damals seine letzten Worte.

In der Bibliothek liegt sein »La Croce di Luce« neben Folianten in einem Kuvert auf einem der Lesetische.
In geschwungener Kalligraphie stand: »per Dottore Guenthero«.

Dieses Strahlen- oder Lichtkreuz trug Domenico sein ganzes Leben. Mit diesem Vermächtnis zeigte er mir, wie hoch er unsere Freundschaft einschätzte.

Freitag, 7. April 2017

Nahkampf

oder
Wie ich mir in Rom ein blaues Auge zuzog und was ein Busfahrer damit zu tun hatte.

Vier oder fünf Haltestellen vor der Statione Termini, dem römischen Hauptbahnhof, stiegen die Krawallmacher ein.
Sonst waren ausser uns keine Fahrgäste mehr im Bus.
Das ist in einem römischen Stadtbus eine Rarität, aber kurz nach Mitternacht konnte das schon mal vorkommen.

Die drei Typen stellten sich hinter den Fahrer und krakelten herum. Einer malträtierte den Stempelautomaten, ein anderer trat andauernd gegen eine Sitzlehne. Ein dritter zeigte uns den Mittelfinger.

Der Busfahrer, eher schmächtig von Statur und nicht mehr der Allerjüngste bremste ab. Gerade, als er aufstehen wollte, schupste ihn so ein Durchgeknallter wieder zurück auf den Fahrersitz und brüllte etwas Unverständliches. Italienisch war das nicht. Ich verortete das eher in den Osten Europas.

Wir mussten eingreifen!
Mit einem »Scusi signore!«, packte ich das mir am nächsten stehende Spingangerl am Krawattl und verpasste ihm eine original niederbayrische Watschn!
Schosi, Werner und Achim griffen sich die anderen beiden.
Plötzlich zog der von mir Abgewatschte ein Stiletto aus der Tasche.

Ich wurde fuchsig!
Noch bevor er damit herumfuchteln konnte, warf ich ihm meinen Rucksack ins Gesicht, griff nach seinem Handgelenk und schlug es auf eine Sitzlehne. Mit einem Schrei ließ er das Messer fallen.
Nun platzierte ich ihm eine rechte Wumme mitten in die Fresse, dass er sogleich in den Sitz taumelte. Ich bog beide Arme nach hinten um die Sitzlehne. So konnte er nicht mehr aus, auch wenn er noch so wild mit den Beinen herumtrampelte und schrie.

Schosi und Achim knieten auf dem zweiten Krawallmacher und Werner hatte seinen Deliquenten mit Pfefferspray kampfunfähig gestellt.

Per Funk hatte der Busfahrer einen Notruf abgesetzt. Vier Carabinieri stürmten wenig später in den Bus und sahen, dass die Lage stabil war. Sie übernahmen die drei Matschgerl und verpassten ihnen Handschellen.

Als mein Maulheld die Carabinieri sah, spielte er das Opfer und behauptete allen Ernstes, das wäre mein Stiletto. Sofort machte er Bekanntschaft mit einem Holzknüppel.

Nicht gerade sanft bugsierten die Carabinieri die drei Krawallmacher nach draußen. Der Busfahrer, noch mit leichter Blässe um die Nase, schilderte ihnen den Vorgang.
Einer der Carabinieri bedankte sich bei uns und verzichtete auf die Personalien. So schnell, wie sie gekommen waren, waren sie auch wieder weg.

Der Fahrer bedankte sich überschwänglich und wollte unser Hotel wissen.

Dann ging es weiter in Richtung Termini. Er bog aber nicht in den Bussparkplatz ein, sondern fuhr weiter bis vor unser Hotel.
Er meinte, das sei das Mindeste, was er für uns tun könne.

Beim Aussteigen knallte ich zu allem Überfluss mit dem Kopf gegen die Tür, mit dem Ergebnis, dass ein prächtiges Veilchen um mein rechtes Auge erblühte.

Am nächsten Morgen erstrahlte es in voller Pracht und zwei Tage später, als wir wieder zuhause waren, wurde ich damit aufgezogen, so von wegen zuviel Wein und einem im Wege stehenden Türstock.
Unseren Nahkampf erwähnte ich lieber nicht.

Mittwoch, 5. April 2017

La Fontanella

Das römische Kopfsteinpflaster fordert seinen Tribut. Die Füße merken das zuerst. Auf einem Marmorgesimse setze ich mich nieder, ziehe meine Schuhe aus.
Die Plastikflasche ist schnell am Wasserstrahl des kleinen Brunnens gefüllt. Die ersten Schlucke sind gierig, das kühle Wasser ist köstlich. Mein Halstuch tauche ich in das Marmorbecken, vergrabe mein Gesicht in dem triefenden Tuch. Angenehme Kühle verdrängt die Müdigkeit.



 Eben noch vom römischen Pflaster malträtiert sitze ich jetzt entspannt neben dem kleinen Brunnen und genieße mein Rom. Das ausgerungene noch nasse Tuch knote ich wieder um den Hals.

Mein Blick streift Mauerwerk entlang der Häuserfront, allerlei Grün rankt sich um Ballustraden und Pfeiler. Über das Geländer einer Dachterrasse quillt es in unendlich vielen Farben. Die oberen Stockwerke und Dachgärten sind in Licht geflutet, die gegenüberliegende Häuserzeile verbirgt sich im Schatten. Mitten in Rom dörfliche Idylle.
Der Blick wandert hinauf in das intensive Blau des römischen Himmels.

Unmittelbar neben mir ist Leben, der kleine Brunnen will seine Geschichte erzählen. Das andauernde immer wieder neu komponierte Plätschern und Gurgeln des Wassers redet mit Heiterkeit von seinem Rom.

Es purzelt heraus aus dem Marmorspalt, ergießt sich über eine handbreit abgerundete Brüstung und fällt unvermittelt in sanftem Bogen in das kleine Marmorbecken. Dabei formt dieses klare Nass abertausend flüchtige Figuren. Nicht langweilig und monoton fließt es, nein, ein ewiges Wechselspiel an Formen und Fantasien fällt hinunter.

Der hüpfende Wasserspiegel tanzt Reigen mit dem fallenden Nass, das gurgelt, plätschert und gluckst.
Zuckende Lichtreflexe untermalen die Melodie des Wassers. Kein Ton gleicht dem anderen, Wellen und Töne wandeln sich immer neu, ein phantastisches Schauspiel.

La Fontanella erzählt mir vom stetigen Kreislauf.
Weit oben in den Albaner Bergen beginnt die Reise, über verschlungene Wege, Aquaedukte und Kanäle fließt es in die ewige Stadt. Jahrein jahraus bringt es Leben an diesen kleinen Brunnen, es kokettiert mit dem Marmor und erzählt mit ihm zusammen leidenschaftlich immer nur der Gegenwart verpflichtet sein Leben.
Sekunde um Sekunde quillt neues Wasser hervor, offenbart sich, verschwendet seine Schönheit im Licht des römischen Tages und versickert nach wenigen Augenblicken in der Vergangenheit.

Meine Zwiesprache ist vertraulich. Es ist nicht das Erste mal, dass ich hier sitze, jeder Rom-Besuch führt mich hierher.

Meine heimliche Geliebte aus Marmor und Wasser lässt schmeichelnd das Nass über meine Hände rinnen. Sanfte Kühle sorgt für die ersehnte Erfrischung. Lustiges Plätschern und das kokette Funkeln der Wasseroberfläche machen mich glücklich.

Dienstag, 4. April 2017

Rom


Nicht die meiste Zeit, aber viel Zeit verbrachte ich in Rom.
In einer neuen Reihe möchte ich von meinen Erlebnissen
in dieser einmaligen Stadt erzählen.

Mein Freund Schosi, langjähriger Romfahrer infizierte mich mit diesem Rom-Virus, das, so sagt er selbst, 
ein ganzes Leben lang aktiv sein würde.

Wie immer werden die G'schichterl in lockerer Reihenfolge präsentiert.
Einige davon sind aus meinem Romanmanuskript

DER SCHNEE DES APENNIN

entnommen.

Bis bald!


Montag, 20. Februar 2017

Wenn ein Notarzteinsatz zum Drama wird

Es gibt Erlebnisse, die brennen sich ein Leben lang ins Gedächtnis ein. Sie lassen einem auch heute noch das Blut in den Adern gefrieren.

Der Anruf kam gegen 19 Uhr. Auf der Landstraße kurz vor Langerringen ein Verkehrsunfall. Motorrad gegen LKW, ein Schwerverletzter.
Franz, ein erfahrener Rettungssanitäter biss ein letztes Mal in seine Leberkassemmel, dann schwang er sich hinter das Steuer des Rettungswagens. Der Motor heulte auf. Mit Blaulicht und Martinshorn ging es hinaus in die einbrechende Nacht.
»Scheißnebel!«, fluchte er leise vor sich hin. Zusammen mit einem ehrenamtlichen Sanitäter saß ich neben ihm auf der Sitzbank.
Der Nebel war brutal.

Nach wenigen Kilometern erkannten wir schemenhaft einen LKW, der mit dem Führerhaus im Straßengraben hing.
Ein schweres Motorrad lag total demoliert teilweise unter dem linken Vorderrad.
Zwei PKWs standen am Straßenrand.
Ein Mann winkte mit einer Taschenlampe.

Auf dem Kiesbett wenige Meter neben dem LKW lag der verunfallte Motorradfahrer. Eine Frau und ein Mann beugten sich über ihn.
Wir sprangen aus dem Rettungswagen. Franz, unser Fahrer, war leichenblass.
Sie hatten den Verletzten in die stabile Seitenlage gebracht.

Im Scheinwerferkegel unseres Rettungsfahrzeugs sah ich einen jungen Mann, die Lederjacke zerfetzt. Aus dem Hemd quoll Blut. Als ich den Verletzten auf den Rücken drehte, um ihn zu intubieren, kam ein Schwall Blut aus dem Mund. Der Hals war aufgerissen.
Aus der klaffenden Wunde kam ein Röcheln. Der Brustkorb war nur noch ein instabiles Etwas. Er bewegte die Lippen. Ich sah in weit aufgerissene Augen.

Franz stand etwas abseits und übergab sich.

Da war nichts mehr mit Intubieren. Ich griff nur noch in eine blutige Gewebemasse.

»Michael!«, Franz stieß mich zur Seite. »Michi!«
Er nahm das Gesicht des Sterbenden in die Hände. »Michi!«
Dann schrie er ein letztes Mal den Namen seines Sohnes in die Nacht.

Samstag, 18. Februar 2017

*** ausgeplaudert *** Abschneiden geht immer

Die nächste Geschichte ist fast a bisserl unanständig, trotzdem muss sie erzählt werden.

»Komm sofort hoch!«
Das war mein Oberarzt Werner am anderen Ende der Leitung. Ich saß am frühen Abend, es war noch hell, beim Mayerwirt und Werner hatte Dienst im Krankenhaus.
Aufgelegt. Keine Erklärung, was denn los sei! Das war ich von ihm nicht gewohnt.
»Komm sofort hoch!«, schrie er fast ins Telefon, sonst nichts.
Da muss was Schlimmes passiert sein.

Ich fuhr hoch ins Krankenhaus, rannte vorbei an der Pforte, in der unsere Schwester Judith, eine alte Nonne, noch stundenweise Dienst tat.
Im Eingriffsraum hörte ich Stimmen. Da musste jemand schlimme Schmerzen haben.

Dann sah ich das ganze Malheur.
Aber erst mal der Reihe nach.

Ein junger Mann kam mit schmerzverzerrtem Gesicht, aber noch zu Fuß, ins Krankenhaus. Er brauche dringend einen Arzt, stöhnte er. Schwester Judith wollte aber genauer wissen, um was es denn ginge. Der Knabe rückte damit nicht raus, stöhnte statt dessen, und flehte sie an, endlich einen Arzt zu holen. Mittlerweile war eine Schwester vom ersten Stock runtergekommen und bugsierte den Leidenden in den Eingriffsraum unserer Ambulanz. Der diensthabende Doktor, nämlich Werner wurde herbeigerufen.
Der, rief mich nach einer ersten Schrecksekunde sofort an.

Der junge Mann hatte schon eine Infusion am Arm, und einiges an Schmerzmittel intus. Jedenfalls wurde das Wimmern leiser.
»Anästhesie ist schon unterwegs!«, informierte mich Werner. Die beiden OP-Schwestern kamen fast zeitgleich mit mir.

Da sprang ein pralles blaues Ding aus der heruntergelassenen Hose, was nur durch die eindeutige Körperregion als Penis identifiziert werden konnte. Um den Schaft war ein gusseiserner Ring. Der ging nicht mehr runter.

»Scheiße, das tut weh!« Ich stand ratlos davor.
»Ich kann dem doch den Pimmel nicht abschneiden!«
Werner stand neben mir.
»Schosi muss her!«
Schosi ist unser Hausmeister und für alle Notlagen der richtige Mann.

»Dem Urologen hab ich noch nicht Bescheid gegeben!«!
Meldete sich Werner wieder.
»Abschneiden kann ich selber! Den brauchen wir nicht!«

Es gibt in eindeutigen Fachgeschäften diverse Ringe für allerlei Sexspiele. Die sind aber aus Gummi und können jederzeit entfernt werden.
Unser Ring hatte eine Dicke von, na ja, sagen wir knapp einem Zentimeter und war aus Gusseisen. Normalerweise verriegelte er eine herunterklappbare Bordwand am Tracktoranhänger.

Mittlerweile schlief der Unglücksrabe dank der eingeleiteten Narkose.

Dann hörte ich ein »Oh-Gott-oh-Gott-oh-Gott!«, und Schwester Judit trippelte wieder zurück in ihre Pforte.

Schosi stand in der Tür, betrachtete sich die Sache sehr genau und sagte: »Der geht nur mit einer Flex runter!«
Schon war er in seiner Werkstatt verschwunden und kam wenig später mit einer Riesenflex daher.
Es war unmöglich, dieses Trum mit einer Hand zu führen.
»Schosi, die ist zu groß, ich brauche was Kleineres!«
»Mein Schwager hat eine Kleine!«, und schon war er unterwegs zum Schwager.

Mittlerweile bekam der Lustspender Ähnlichkeit mit einer Blutwurst. Wir mussten uns beeilen.

Die kleine Flex war ideal. Werner hielt die pralle Blutwurst fest und zog sie im richtigen Winkel vom Körper weg und ich setzte die Trennscheibe an.
»Das wird heiß!«, bemerkte Schosi.
»Wasser!«
Nun schüttete eine OP-Schwester andauernd Wasser zum Kühlen über Ring und Pimmel.

Die Funken stoben vom OP-Tisch und da die Tür rüber zur Ambulanz offen war, stoben sie auch noch hinaus auf den Flur.
Schwester Judith stand kreidebleich in der Pforte und wiederholte immer wieder ihr »Jesses-Maria, Jesses-Maria!«
Dann fing sie an den Rosenkranz zu beten.

Wir arbeiteten uns Millimeter um Millimeter vor. Immer wieder legten wir eine Pause ein, da der Ring trotz reichlich Wasser verdammt heiß wurde.
Nun war er durch.

Ha, Pustekuchen. Da war nichts mit Aufbiegen und so. Gusseisen lässt sich nicht biegen. Also, nochmal die ganze Prozedur mit Flex, Wasser, Funken, Kühlen, Warten!

Bei dem permanenten Wassergeprutschel hatte ich die ganze Zeit Angst eine gewischt zu bekommen.

Nach einer guten Stunde war alles überstanden. Der Ring lag in zwei Teile zerschnitten in voller Unschuld auf dem Instrumententisch.

Die Blutwurst verlor so langsam ihre tiefblaue Farbe.
»Meinst Du, der geht nochmal?«, fragte Schosi und verräumte dabei die Flex seines Schwagers.

»Abwarten!«, sagte ich. Dann klatschten wir uns nach dieser gelungenen Aktion alle ab.
Wenig später wurde der Patient, noch schläfrig von der Narkose, mit dem Bett auf Station gefahren und ich trank noch ein Weizen beim Mayerwirt.

Nachzutragen wäre noch:
Das Ganze ging ohne die kleinste Verletzung ab. Nach wenigen Tagen war die Funktionalität vollständig wiederhergestellt, wie mir der junge Mann bei einer Kontrolluntersuchung glaubhaft versicherte.

Zwei Kinder, ein Bub und ein Mädchen, dem Vater wie aus dem Gesicht gerissen, waren der unumstößliche Beleg dafür. Und weil die Zeit wie in Windeseile vergeht, sind auch diese beiden Beweismittel mittlerweile erwachsen und haben selber Kinder.

Samstag, 11. Februar 2017

*** ausgeplaudert *** Der Skiunfall

An den Winterwochenenden vor vielen Jahren fuhren meine Söhne öfters mit dem Fürstenzeller Skiclub nach Mitterfirmiansreut.

So war es auch an einem wunderschönen Sonntag.
Die werden sich richtig austoben und abends todmüde ins Bett fallen, sagte ich mir.

Dann kam in den Nachmittagsstunden ein Anruf der Rettungsleitstelle.
In einer halben Stunde würden sie meinen Sohn Martin zu mir ins Krankenhaus bringen. Er sei am Schlepplift gestürzt und habe sich einen Unterschenkelbruch zugezogen.

»Oha!«, dachte ich erst mal, dann machte ich mich auf den Weg ins Krankenhaus.

Ich malte mir das Szenario droben im Bayerwald aus. Ausgerechnet dem Sohn des Chefarztes passierte das. Da wollte man natürlich kein Risiko eingehen. Mit optimaler Versorgung musste der Transport in die Wege geleitet werden.

Wenig später fuhr der Sanka vor. Auf einer Vakuummatratze lag mein Sohnemann. Da war nichts mit schmerzverzerrtem Gesicht. Mit einem vielsagenden Grinsen begegnete er meinem besorgten Blick.

Einer der Sanitäter meinte, es sei das linke Bein.

Ich sah mir die Sache an. Martins linker Unterschenkel lag locker über dem rechten Unterschenkel. Die Kuhle in der Vakuummatratze verriet mir allerdings, dass das linke Bein zunächst ganz normal neben dem Rechten lag.

Das stimmte was nicht! Nie und nimmer konnte jemand seinen gebrochenen Unterschenkel aus der Vakuummatratze herausheben und auf sein gesundes Bein legen.

Martin konnte es.

Eine kurze Untersuchung bestätigte meine soeben getroffene Feststellung. Ein blauer Fleck direkt über dem Schienbein war alles.

»Du stehst jetzt sofort auf, räumst Deine Skier in mein Auto und trollst Dich nach Hause!«

Gesagt, getan.
Ich gab Sohnemann den Autoschlüssel, dann war er auch schon mitsamt Rucksack und Skiausrüstung verschwunden.

Stumm schauten die Sanitäter meinem Treiben zu.
In Ihren Gesichtern spiegelte sich blankes Entsetzen.
»Rabenvater!, hat der sie noch alle?, das gibt es doch nicht!«, las ich in ihrer Mimik.

Damit der Bürokratie genüge getan wurde, quittierte ich den Krankentransport und bot den Sanis noch einen Kaffee an, den sie dankend ablehnten.

Damit war die Episode nicht zu Ende.
Wochen später kam die Rechnung des Roten Kreuzes über den Transport mit dem Rettungswagen.
Die reichte ich meiner Krankenkasse ein und erhielt wenig später einen Brief.

Sie könnten das nicht begleichen, da ja keine Rechnung über die Behandlung dabei sei.

Ein Anruf meinerseits mit dem Argument, ich würde meinem Sohn wohl keine Rechnung stellen, konnte die Versicherungsmenschen nicht befriedigen. »Ohne Behandlung keine Übernahme der Transportkosten!«

Also schrieb ich meinem eigenen Sohn eine Rechnung mitsamt Untersuchung und Sonntagszuschlag. Siehe da, nun bezahlten sie beides, den Transport und die »Behandlung«!

Sonntag, 5. Februar 2017

*** ausgeplaudert *** Die unheimliche Begegnung

Ich hatte mal einen Kollegen. Der übernahm vor vielen Jahren eine chirurgische Chefarztstelle an einem Kreiskrankenhaus.
Das klappte mehr schlecht als Recht. Mal war ihm das zu viel, mal das andere zu wenig. Mit dem Personal konnte er nicht und die Organisation lies auch zu wünschen übrig.
Ich hatte das alles mitbekommen, weil er sich immer mal wieder bei mir »ausheulte«. Selbst ein paar Hospitationen an meiner Abteilung zeigten nicht den erwünschten Erfolg.

Schon bald war klar, er konnte die Chefarztstelle nicht halten. Der Krankenhausträger, eine kommunale Einrichtung, schwerfällig wie d’Sau, kapierte es schließlich auch. Man trennte sich in beiderseitigem Einvernehmen.
Das sollte man, wann immer es möglich ist, so machen.

Wir verloren uns aus den Augen, bis die Zertifizierungshysterie über die bundesdeutsche Krankenhauslandschaft hereinbrach.
Das war jetzt »IN«. Ohne Zertifizierung warst Du eine Krücke, ein NO GO, ein überalterter Methusalem. Mit anderen Worten, ohne Zertifizierung konntest Du keine gute Medizin mehr machen.

Also sprießten überall private Zertifizierungsagenturen, selbstverständlich nach DIN-Norm und staatlich ausgelobt,  wie Pilze aus dem Boden.

Dann war es auch in meiner Abteilung soweit. Ich sagte mir, das sei halt dem Fortschritt geschuldet und nun mal so üblich. Meine chirurgische Abteilung brummte, schrieb gute Zahlen und war vor Ort durchaus angesehen. Ich brauchte vor nichts zu Kuschen.

Irgend ein »Zertifizierungsbeauftragter« aus den Reihen unserer Verwaltung, der in ein paar Wochenendlehrgängen zum Fachmann mutierte, übernahm das Training.
Jetzt hieß das ganze Qualitätsmanagement und so Begriffe wie »ISO 9001« und »KTQ« waren plötzlich furchtbar wichtig. Neben einer Erstzertifizierung gab es Rezertifizierungen, bei denen die oben bereits erwähnten »Agenturen« prächtig Kasse machten.

Ganze Horden von Zertifizieren tummelten sich in regelmäßigen Abständen im Krankenhaus.

Was früher bei uns in der Chirurgie schlicht und einfach»Ablauforganisation« hieß, wurde nun in viele Begriffe aufgesplittert. Ich will sie mit diesem Schmarrn nicht langweilen. Das sind endlos lange, meist nichtssagende Listen mit viel Unsinn drinnen.
Da war von Kundenzufriedenheit die Rede. Plötzlich wurden unsere Patienten Kunden.
Alles Mögliche und Unmögliche wurde messbar gemacht.
Das klappte natürlich nicht, dann nahm man halt fiktive Zahlen an.
Über allem schwebte der Mammon. Mein hervorragendes Personal wurde heimlich und leise zum Kostenfaktor und der Patient, sorry Kunde, zur Melkkuh.

Dann kam eine unheimliche Begegnung:
Sie erinnern sich noch an meine Anfangszeilen?
Es kam zum Abschlussgespräch über das ganze Zertifizierungsgedöns. Und wer kam munteren Schrittes in mein Zimmer?
Sie erahnen es!
Er meinte, er sei jetzt voll und ganz in die Zertifizierung eingestiegen und habe mit der Chirurgie nichts mehr am Hut.

Nun wollte sich der Herr Kollege Zertifizierer mit mir über Organisationsdefizite in meiner Abteilung unterhalten. Er zückte ein Schnellhefter, voll mit Formularen und Listen. Wenn es damals schon Notebooks gegeben hätte, dann hätte er sicher statt Schnellhefter so ein Dings vor sich liegen gehabt.

»Du?«, ich musste einfach lachen.
»Du willst mir etwas über Organisationsdefizite in meiner Abteilung erzählen?«
Verwundert schaute er mich an und meinte:
So ein Abschlussgespräch sei nun mal zwingend bei einer Erstzertifizierung vorgeschrieben.

»Wir können uns über alles Unterhalten, können einen Kaffee miteinander trinken oder ein Bier. Ich besorge Dir sogar eine Brotzeit. Aber eines sag ich Dir! Keinen Ton über meine Organisationsdefizite, sonst schmeiß ich Dich hochkant raus!«

Er blieb sitzen, packte seine Schnellhefter wieder ein und meinte, jetzt habe er endlich mehr Zeit Golf zu spielen.

Donnerstag, 2. Februar 2017

*** ausgeplaudert *** Zu fett!

»Also, Herr Chefarzt, eines muss ich ihnen jetzt schon mal sagen!«
Aha, denke ich für mich, klingt nach Beschwerde, nach Dampf ablassen!

Eine resolute Mittvierzigerin pflanzt sich vor meinem Schreibtisch auf, die Ambulanzkarte, besser, meine Patientenaufzeichnungen hält sie in der linken Hand, mit der rechten deutet sie auf ein Blatt, das offensichtlich der Grund für ihre Aufregung ist.

Ich bitte die Dame, Platz zu nehmen.
Schnurstracks gehe ich zum Waschbecken, wasche sehr gründlich meine Hände. Ein Arzt kommt immer gut an, wenn er sich vor dem Patienten seine Hände wäscht, eine uralte Medizinerweisheit. Und noch viel wichtiger, während dieser Zeit kann er seinen Patienten beobachten.

In diesem Falle ist es, wie gesagt, eine Patientin. Fast attraktiv, wenn da nicht die zu vielen Pfunde wären. Roter Rollkragenpulli, schwarzer Rock, der bis zu den Knöcheln reicht. Kurz geschnittene brünette Haare, volles hübsches Gesicht. Grünbraune Augen funkeln herüber zu mir an’s Waschbecken. Ihr Dialekt verrät sie als Österreicherin.

Sie kommt gerade von meinem Kollegen Dr. Werner Bauer, der ist für die Ultraschalluntersuchungen zuständig.
Offensichtlich ist Werner auch der Grund für ihre Aufregung.

»Herr Chefarzt, ich verlange, dass dieser Befund da drinnen wegkommt!« Mit »da drinnen« meinte sie die Ambulanzkarte mit den Aufzeichnungen über ihre Untersuchung.

Sie knallt mir die Unterlagen auf den Schreibtisch und bleibt vor mir stehen.

Oh je, da steht es. Deutlich sticht die Bemerkung aus den Aufzeichnungen heraus. »Zu fett!« Und das auch noch unterstrichen. Und dann hat der Dussel der Patientin auch noch die Unterlagen mitgegeben.

Ganz vorsichtig lote ich meine Versöhnungschancen aus.
»Ach, Frau Obermaier, der Dr. Bauer hat das mal so dahingeschrieben!«
Sie fällt mir sofort ins Wort.
»Dass ich ein paar Pfunde zu viel draufhabe, weiß ich selber. Aber gleich solch eine Beleidigung!«

Jetzt holt sie noch mal Luft, danach braust ein Lamento über mich.
»Ich esse eh kaum noch was, mache eine Diät nach der anderen, aber Herr Chefarzt, ich kann machen, was ich will, ich trau mich schon gar nicht mehr auf die Waage!«

Die Pause zum Luftholen nutze ich aus.
»Ich streiche das durch. Im endgültigen Bericht an ihren Hausarzt steht nichts mehr drin!«
Jetzt bringe ich mein schlagkräftigstes Argument an.
»Wir beide können unsere Pfunde ja nicht verstecken!«

Das wirkt! Auch bei mir helfen diverse Diäten nur ganz bescheiden.
Als Leidensgenosse werde ich von Frau Obermeier akzeptiert.
»Hat er außer den paar Pfunden zu viel auch noch was anderes gefunden«, will ich jetzt wissen. Unter den leichtsinnig hingeschriebenen Worten steht nämlich noch was von Gallensteinen.

»Niemand hat bisher bei mir Gallensteine gefunden!«
»Jetzt vergessen sie mal ihren Babyspeck!«
»Jetzt machen sie sich auch noch lustig über mich!«, flötete mir Frau Obermeier entgegen und schaut gekränkt.
»Ach was, Frau Obermaier, niemand will sich lustig machen! Sie haben doch schon länger diese Koliken?«

Die Tür geht auf, Dr. Bauer stürmt herein.
Ganz Dame würdigt meine Patientin den Übeltäter mit keinem Blick. Er legt mir die Ultraschallbilder vor und wendet sich mit einem unschuldigen Allerweltsgesicht an sie.
»Ne ganze Menge Steinchen haben sie in Ihrer Gallenblase! Am besten die operieren wir bald raus. Allerdings wäre es besser wenn sie ein paar...!«
Mein bohrender Blick hinauf an die Decke lässt ihn stutzig werden.
Mitten im Satz bricht er ab.
»... Pfunde abspecken«, verkneift er sich.
Statt dessen ergänze ich »ein paar zusätzliche Untersuchungen machen lassen, damit wir sie recht bald operieren können!«

»Wenn ich mich operieren lasse, dann nur vom Herrn Chefarzt, sie lasse ich sowieso nicht mehr an meinen Bauch!«
Peng, das sitzt! Werner schaut verwundert. Mit verschwörerischer Mine lächelt sie mich an und dreht ihm den Rücken zu. Mit einem Schulterzucken geht er hinaus.

»Ich weiß schon, was der sagen wollte!«
»Hat es aber nicht!«, falle ich ihr ins Wort.
»Ich komme dann zu Ihnen ins Krankenhaus, wenn der Schnösel in Urlaub ist!«
Gemeinsam schauen wir im Kalender nach, planen die Operation während Schnösels Urlaub.

Mit einem herzhaften Lachen verabschiedete sich Frau Obermaier von mir.
Elegant umkurvt sie meine Sekretärin, die gerade ins Zimmer kommt.
»Sie können froh sein, dass sie so einen dollen Chefarzt haben, der Dr. Bauer ist nämlich ein Depp!«

Samstag, 28. Januar 2017

*** ausgeplaudert *** Die Bedrohung

 Den ganzen Abend ging es hektisch zu. Ich war ewig in der Ambulanz beschäftigt, und auch die stationären Patienten ließen mich nicht zur Ruhe kommen.
Endlich, kurz vor Mitternacht wurde es ruhiger. Ich hatte mal wieder Bereitschaftsdienst.

Zusammen mit zwei Nachtschwestern saß ich in der Stationsküche auf einer inneren Station im 1. Stock. Schräg vis-a-vis ging es über den Flur zur Intensivstation.
Der Kaffee war gerade am Durchlaufen, als wir es hörten:
»Hiiilfeee!«
»Was war das?«, fragte Schwester Jutta? Gespannt lauschten wir hinaus in den Flur. Es ist ja nichts Ungewöhnliches, wenn ein vielleicht verwirrter Patient im Halbschlaf oder auch noch wach, um Hilfe schreit.

Da war es wieder: »Hiiiilfeee!«
Wir hörten kein mickriges Stimmchen, eher einen satten Bassbariton.
»Das kommt aus der Intensiv!«, meinte Jutta.
»Wir schauen mal nach, was da beim Konrad los ist!«
Konrad war der diensthabende Pfleger auf der Intensivstation.

Ich habe den Anblick heute noch so vor Augen, als sei es erst gestern gewesen.

Pfleger Konrad, ein Zweimetermann, breit wie ein Schrank, stand in der hintersten Ecke einer Intensivbox, beide Hände abwehrend von sich gestreckt.

Vor ihm schwankte ein mickriges Mandei, das sich am Fußende des Bettes festhielt, sonst wäre es umgefallen. Die Infusion war herausgerissen, die ganze Soße tropfte auf den Boden. Dort lag auch das EKG Kabel. Die Sauerstoffmaske baumelte um den Hals.
In der rechten Hand hielt das schwankende Etwas ein Besteckmesser und fuchtelte damit wie wild in der Luft herum.
Sein Flügelhemd war, wie alle Flügelhemden dieser Welt, hinten offen, sodass wir freie Sicht auf ein runzeliges und verschissenes Oascherl hatten.
»I bring Di um! Hosch mi!«, ließ sich ein verwaschenes und durchaus zartes Stimmchen vernehmen.
Dazwischen der gut intonierte Bassbariton von Pfleger Konrad: »Hiiilfeee!«

Es war ein Bild, wie man es nicht alle Tage sieht.

Schwester Jutta packte das verschissene Matschgerl hinten am Flügelhemd, hob es freihändig ins Bett und entriss ihm anschließend das brandgefährliche Besteckmesser.

»Wasch Konni, Du bisch a na segglbleedr Seggl!« ***,
 Sagte Schwester Jutta zu ihrem Kollegen, der immer noch bibbernd in der Ecke stand.


*** hochdeutsch: »Weißt Du Konrad, Du bist ein wirklich blöder Hund!«

Der Seggl bekam so langsam wieder Farbe ins Gesicht und meinte, so durchgedrehte Patienten könnten schon mal ungeahnte Kräfte freisetzen und mit einem Messer sei sowieso nicht zu spaßen.

Mittlerweile lag der potentielle Messermörder wieder friedlich im Heiabettchen und fliretete mit Schwester Jutta.
»Bisch a blitzsaubars Mädle, di dad i a no vernasche!«

Die Antwort kam prompt:
»Oh Mandei, so viel Sauerstoff hat die ganze Intensivstation nicht, die du danach brauchen tätest!«
Natürlich sagte Jutta das alles auf Schwäbisch. Sowas kann man leider nicht in einem niedergeschriebenen Text festhalten.

Nachtdienste in einem Krankenhaus haben ihre eigenen Gesetze. Das ist im Schwäbischen nicht anders als im Niederbayrischen. Wer das nie miterlebte, kann sich keine Vorstellung davon machen.

Freitag, 27. Januar 2017

*** ausgeplaudert *** Das Duell

Es war eine tolle Zeit. Allesamt waren wir doch noch rechte Kindsköpfe im wahrsten Sinne des Wortes.

An einem frühen Abend auf Station war die Arbeit für mich getan. Ich ging eine letzte Runde, um nach den Frischoperierten zu sehen.
Alles war friedlich, sämtliche Briefe diktiert, die Unterschriftenmappe leer. Ich hatte Bereitschaftsdienst.

In der Stationsküche saßen Schwester Maria, eine schon ältere Krankenschwester und Ruth, Schwesternschülerin im dritten Kurs. Beide hatten Spätdienst. Auf dem Tisch war frisch gewaschene und vorher auf der Heizung getrocknete Mullgaze ausgebreitet. Damals legte das Personal auf Station noch selber die Kompressen und Tupfer für die Verbände.

Ich setzte mich zu ihnen und half mit. Das war eine Tätigkeit, bei der man über alles Mögliche ratschen konnte.
Ruth und ich neckten uns, so wie es junge Leute überall auf der Welt tun, wenn sie sich sympathisch finden. Die Worte flogen hin und her, wir lachten und kuderten.

Schwester Maria schaute ab und zu erstaunt auf, wenn wir uns gegenseitig aufzogen. Für sie war ein Doktor eine Respektsperson. Maria kam aus einer anderen Zeit, da musste eine Schwester Abstand halten. Ein vertrautes »Du« war unmöglich. Unser Rumalbern war in ihren Augen befremdlich, wenn nicht sogar verwerflich.

Ruth und mich störte das nicht. Wir duzten uns schon ewig.
Irgendwie kamen wir auf Perubalsam zu reden und ob man sich damit auch duellieren könne.
Perubalsam ist eine dickliche dunkelbraune Flüssigkeit, die seinerzeit als Wundheilmittel verwendet wurde.

Ich bemerkte es schon zu Anfang, wir waren noch rechte Kindsköpfe.

»Du traust Dich garantiert nicht damit rumzuspritzen!«, behauptete ich provozierend.
»Ich trau mich schon!«, bekam ich prompt zur Antwort.

Ich ging wortlos ins Verbandszimmer, füllte zwei Blasenspritzen mit Perubalsam und legte eine davon vor Ruth auf den Tisch.
»Feigling!«
Sie schnappte sich das Teil und gab mir eine Breitseite, dann flüchtete sie rüber ins Stationszimmer. Ich folgte ihr mit der zweiten Spritze und setzte auch eine Ladung ab.
Danach kauerte ich mich Deckung suchend hinter meinen Schreibtischstuhl im Arztzimmer, Ruth war mir dicht auf den Fersen.

Das Duell dauerte, bis beide Blasenspritzen leer waren.
Wir schauten uns gegenseitig an und lachten hell auf. Die Schwesterntracht von Ruth war über und über mit Perubalsam besudelt und mein Kittel ebenso.

Nun sahen wir die weiße Wand hinter meinem Schreibtisch. Da gab es ein paar gehörige Querschläger.

Die wenigen Spuren auf dem Fußboden waren schnell weggewischt, aber die Wand. Da ging nichts mit dem Putzlappen. Ein Versuch von mir scheiterte kläglich. Das dunkelbraune Zeugs verschmierte mehr, als dass es wegging.

Nun schauten wir uns recht bedröppelt an und Schwester Maria stand in der Tür und lachte.

Am nächsten Morgen zitierte ich sogleich den Haumeister auf Station. Es war der, dem ich aus Versehen Ohrentropfen wegen einer Bindehautentzündung ins Auge träufelte.

Ich hätte gestern Abend mit Perubalsam rumhantiert, da sei mir das Malheur passiert.
Er besah sich die Sache, sagte ein paar mal im breitesten Schwäbisch: »Hanoi, a so a Sauerei!«, schmunzelte und meinte furztrocken: »Hano, des hen mer glei!«
Dann drehte er sich um und sagte zu Ruth, die gerade im Moment durch die Türe schaute: »Du hoscht no ebbs Braunes an de Backe!«
Die wischte sogleich hektisch im Gesicht herum, dann ging sie mit hochrotem Kopf zum Spiegel.
Da waren natürlich keine verräterischen Spuren mehr von unserem Duell.
Unser Hausmeister meinte nur, er hätte sie gestern Abend mit ihrer versauten Schwesterntracht über den Hof ins Wohnheim flitzen sehen.

Zwei Stunden später war die Wand wie neu.
Schwester Maria hielt dicht und unser Hausmeister auch.

Tage später wurde frisch aufgebackener Leberkäse mitsamt Bier und Brezn in die Werkstatt geliefert.